Die sechs Geschmacksrichtungen (Rasas) und ihre Wirkung | Ayurveda-United.de
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Die sechs Geschmacksrichtungen (Rasas) und ihre Wirkung

Laut Ayurveda ist jede Geschmacksrichtung von Lebensmitteln, Speisen und Gewürzen eine subtile Information für den Körper – und JEDER Geschmack übt eine besondere Wirkung auf unser ganzes System aus: Die sechs großen Ayurveda-Geschmacksrichtungen sind: süß (madhura) sauer (amla) salzig (lavana) scharf, stechend (katu) bitter (tikta) zusammenziehend, herb, adstringierend (kashaya). Jede einzelne Geschmack wirkt auf besondere Weise auf Körper, Geist und Seele.

Eine unter ayurvedischen Gesichtspunkten perfekte Mahlzeit erhält optimalerweise JEDE der aufgeführten Geschmackrichtungen. Es ist jedoch ausreichend, alle sechs über den Tag zu verteilen um die Komposition gewisser Speisen nicht zu zerstören.

In Indien ist es gang und gäbe, dass eine Mutter, deren Kinder vom dörflichen Wochenmarkt zurückkommen, wo sie sich mit reifen, süßen Früchten überfuttert haben, eine Schale mit Rosenwasser-Milch reicht. Diese Mischung zählt zu den sattvigen Lebensmittelkombinationen und besänftigt die Säure und Überreife (Rajas und Tamas).

Ayurvdische Prinzipien und die Heiltraditionen gehören in Indien zum Alltag. Wie in diesem Falle wurde den Kindern ein verdauungsförderndes Mittel verabreicht, das außerdem köstlich schmeckt. Die kühlenden Eigenschaften von Rosen und Milch neutralisiert die Hitze der Mango und bewahrt vor Blähungen und Bauchschmerzen.

Die richtige Kombination von Lebensmitteln haben die Hausfrauen Indiens sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen.

Die sechs Rasas

Das Wort Rasas beutet aus dem Sanskrit übersetzt Geschmack. Doch Rasa steht für weitaus mehr als diese sinnliche Erfahrung.

Jedes Lebensmittel besitzt eine der sechs existierenden Rasas:

-süß
-sauer
-salzig
-scharf
-zusammenziehend
-bitter
Jedes Rasa basiert auf einer Kombination von zwei Elementen:

-Feuer
-Wasser
-Luft
-Äther oder Raum
-Erde
Jeder Geschmack besitzt einen direkten energetischen Einfluss auf unser Verdauungssystem, hinterlässt entweder ein wärmendes (Ushna) oder eher kühlendes Emfinden (Shita).

Die energetische, noch vor dem Herunterschlucken von Lebensmitteln oder Speisen stattfindende Empfindung nennt sich virya.

Man sollte in einer Mahlzeit alle sechs Geschmacksrichtungen vorfinden, um sich jedoch in Bezug auf den Geschmack seiner Speisen eine gewisse Freiheit zu bewahren, reicht es auch, sie über den Tag zu verteilen. Aus ayurvedischer Sicht erzeugt ein gesundes, ausgeglichene Gleichgewicht der sechs Rajas zu Ausgeglichenheit des Körpers.

Falls man jedoch mit einer Geschmacksrichtung übertreibt, indem zum Beispiel zu viel Schokolade oder zu viele gesalzene Chips gegessen werden, wird der Körper aus dem Gleichgewicht gebracht. Zwar zunächst nur in geringem Maße, doch über einen längeren Zeitraum hinweg gerät die gleichmäßige Verteilung aus dem Takt und Ama, die Giftstoffe, sammeln sich an, was zu gesundheitlichen Störungen führen kann.
Wir sind Sinnenwesen – daher sollte unsere Ernährung ein Tanz mit den Sinnen sein und ein genüssliches Spiel. Im Ayurveda unterscheidet man in sechs Geschmackrichtungen, die verschiedenen Elementen untergeordnet sind:

madhura rasa – Geschmacksrichtung süß: zum Aufbauen und Nähren (Wasser/Erde)

Süßes schmeckt uns, beruhigt und besänftigt, regt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) an. Dazu gehören fast alle kohlehydrathaltigen Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide, süße Früchte, aber auch Nüsse, Ghee, Milch, Quark, Hüttenkäse und Frischkäse.

Wirkung: erhöhen Kapha (außer Honig und Gerste, die Kapha sogar reduzieren)

 

amla rasa – Geschmacksrichtung sauer: zur Anregung des Appetits (Erde/Feuer)

Saures macht den Mund wässrig, wirkt verdauungsfördernd, stärkt die Magendrüsen, stellt zufrieden; zuviel führt zu Verschleimung, Übersäuerung und Orangenhaut. Dazu gehören z.B. Zitronen, Ananas, Preiselbeeren, Essig, Tomaten, Sauerkraut, Joghurt, Sauermilch, Weißwein und saurer Rotwein.

Wirkung: erhöht Pitta und Kapha (Ausnahme: Amalaki und Granatapfel)

 

lavana rasa –Geschmacksrichtung salzig: nur in kleinen Mengen (Feuer/Wasser)

Salziges macht durstig, ist gut für die Nerven, wirkt appetitanregend und verdauungsfördernd, bindet Wasser. Zuviel Salz führt zu Bluthochdruck. Neben allen Salzarten gehören Meeresfrüchte und Algen in diese Gruppe. Fertiggerichte, Konserven-Gerichte und Chips beinhalten auch Salz!

Wirkung: erhöht Pitta und Kapha. (Ausnahme: Steinsalz, bindet kein Wasser im Gewebe)

 

katu rasa – Geschmacksrichtung scharf: zur Anregung des Stoffwechsels (Feuer/Luft)

Scharfes wirkt erhitzend, aktivierend, reinigt Srotas, reizt die Schleimhäute. Dazu gehören vor allem Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Meerrettich und Senf. Honig schmeckt süß und wird scharf verdaut, beste Süßmittel für Kapha.

Wirkung: erhöht Vata und Pitta (Ausnahme: langer Pfeffer, Knoblauch und Ingwer)

 

tikta rasa – Geschmacksrichtung bitter: für eine optimale Verdauung und Reinigung (Luft/Äther)

Bitter wirkt anregend auf Leber und Galle, blutreinigend, belebend, verringert den Speichelfluss und damit den Appetit. Dazu zählen viele Heilpflanzen wie Löwenzahn, Kamille, Kurkuma, Methi und grüner Tee, Salatsorten wie Chicorée, Radicchio und Endivien, aber auch Artischocken, Sellerie und reiner Kakao.

Wirkung: erhöht Vata

 

kashaya rasa – Geschmacksrichtung herb: zur Verhinderung von Wassereinlagerungen (Luft/Erde)

Herbes wirkt zusammenziehend, wundheilend und blutstillend, schleimhautberuhigend und austrocknend. Herbe Lebensmittel sind z.B. unreife Banane, Rhabarber, Asa Foetida, Aloe Vera, Hülsenfrüchte, Kohlsorten, schwarzer Tee (verstopfend), Himbeerblätter und Brennnessel.

Wirkung: erhöht Vata

Ayurveda nutzt dieses Wissen, um ein Gleichgewicht der Energien herzustellen. Man sollte alle sechs Geschmacksrichtungen täglich zu sich nehmen, um Körper und Seele zu harmonisieren. So kann jeder mit seinem ganz eigenen Wesen glücklich und gesund werden.

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